3. Dezember 2022

»Nehmt die Kündigungen zurück – Ich will arbeiten!«

Statement von Orhan Akman (Kandidat für den ver.di-Bundesvorstand) zu der Güteverhandlung am Berliner Arbeitsgericht am 29.09.2022 über die fristlosen Kündigungen durch ver.di und die Abberufung als Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel

Orhan Akman und Rechtsanwältin Nihal Ulusan vor dem Arbeitsgericht Berlin
Orhan Akman und Rechtsanwältin Nihal Ulusan vor dem Arbeitsgericht Berlin

Berlin, 29. September 2022

Das Berliner Arbeitsgericht hat in der heutigen Güteverhandlung zu den fristlosen Kündigungen und der Abberufung als Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel durch den ver.di-Bundesvorstand keine klare Botschaft ausgesprochen. Grund hierfür dürfte die vage Darstellung des Kündigungsbegehrens seitens meiner Arbeitgeberin ver.di gewesen sein.

Zwar betonte die Gegenseite, dass die Kündigungen meines Arbeitsverhältnisses in keinem Zusammenhang mit meiner angekündigten Kandidatur für den ver.di-Bundesvorstand stünden. Zugleich berief sie sich jedoch darauf, dass es keinen einklagbaren Anspruch auf einen Posten im Bundesvorstand gäbe. Sie warf mir ein mangelndes Demokratieverständnis und Trotz vor, weil ich das bisherige Nominierungsverfahren zur Bundesfachbereichsleitung öffentlich als nicht demokratisch kritisiert habe.

Ich weise die gegen mich gerichteten Vorwürfe zurück. Demokratie heißt für mich Wettbewerb um Mehrheiten und um die überzeugendsten Inhalte. Deshalb halte ich an meiner Kandidatur für den Bundesvorstand fest. Außerdem will ich wieder arbeiten und dazu beitragen, die gewerkschaftliche Durchsetzungsmacht zu stärken.

Wir stehen als Gewerkschaften vor großen Herausforderungen, wir sind in einer tiefgreifenden Krise. Ich will mitarbeiten und mithelfen, aus dieser Krise wieder herauszukommen und dabei, die Herausforderungen im Sinne der lohnabhängig Beschäftigten gemeinsam anzupacken. Wir haben weder den Luxus noch die Zeit, uns vor den Gerichten mit internen Angelegenheiten zu beschäftigen und hierfür Mitgliedsbeiträge zu verschwenden. Unsere Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben und Dienststellen warten auf Antworten, Lösungen und Unterstützung von uns als ver.di.

Ich appelliere an den ver.di-Bundesvorstand und den Vorsitzenden Frank Werneke: Zieht die ungerechtfertigten Kündigungen und die Ermahnungen zurück. Lasst uns miteinander sprechen, anstatt in der Organisation immer nur über mich zu reden. Ich stehe zur Verfügung, es liegt in eurer Hand.

Es geht, um die Zukunft unserer Gewerkschaft! Dafür muss jede*r Größe zeigen, unabhängig von politischen Meinungsverschiedenheiten oder persönlichen Befindlichkeiten. Schließlich sind wir den Sorgen und Bedürfnissen unserer Mitglieder, aber auch der gewerkschaftlichen Organisierung der Beschäftigten verpflichtet.

Ich bedanke mich bei allen Kolleginnen und Kollegen, die sich bisher mit Nachrichten an mich gewandt und sich in unterschiedlichen Formen und Aktivitäten solidarisiert haben. Ein besonderer Dank gilt meiner Rechtsanwältin Nihal Ulusan (www.arbeit-recht.com), die mich in dem Verfahren vertritt und tatkräftig unterstützt.

Der nächste Gerichtstermin (Kammertermin) findet am 13. Dezember 2022 um 13:00 Uhr wieder vor dem Arbeitsgericht Berlin, Magdeburger Platz 1, statt.

Am 21. Oktober 2022 ist der Gütetermin zu den von ver.di ausgesprochenen Ermahnungen – 12:40 Uhr, ebenfalls Arbeitsgericht Berlin, Magdeburger Platz 1