4. Juni 2024

nd: Arbeitskampf auf schwindenden Landen

Aus der schleichenden, aber doch substanziellen Krise der Gewerkschaften ist kaum ein Ausweg auszumachen. Der ehemalige Leiter der Fachgruppe Handel von Verdi, Orhan Akman, weist im Gespräch mit »nd« auf die bundesweite Fragmentierung der Gewerkschaftsstruktur hin: »Verdi-Handel hat das Problem, dass regional auf Landesebenen und dann je nach Bundesland auch noch zeitversetzt verhandelt wird. Zudem werden die Arbeitskampfmaßnahmen dezentral geführt.« Stattdessen plädiert er für bundesweit einheitliche Tarifbestrebungen.

Akman kandidiert für den Bundesvorstand von Verdi. Er betont, dass er aus dieser Position und als Verdi-Mitglied spricht. Für Akman ist das von existenzieller Bedeutung. Im Zuge eines internen Konflikts hatte ihm Verdi gekündigt. Akman focht die Kündigung vor dem Arbeitsgericht an und bekam Recht.

Das Auftreten von Verdi in der gegenwärtigen Tarifrunde, insbesondere die Forderungen, hält Akman für wenig glaubwürdig. Die Vergangenheit hätte gezeigt, dass der Ausschluss von Einmalzahlungen und Laufzeiten bis zwölf Monaten unrealistisch sei. Die Lohnforderungen von 13,50 Euro hält er hingegen für zu niedrig. Denn Amazon und einige Drogerieketten würden jetzt schon freiwillig 14 Euro zahlen.

Zur Glaubwürdigkeit gehört für Akman auch die Art der Arbeitskampfführung. So sei dahingestellt, ob in den vergangenen Tarifrunden durch Erzwingungsstreiks bessere Ergebnisse hätten erreicht werden können. Aber: »Wir hätten dem Bedürfnis unserer Mitglieder mehr Rechnung getragen, die insbesondere durch die Entbehrungen der letzten Jahre sehr motiviert waren, noch zu kämpfen.«

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1175468.gewerkschaften-in-der-krise-arbeitskampf-auf-schwindenden-landen.html