24. März 2026

Tarifrunde Handel 2026: Mit 14,90 Euro/Stunde gegen Altersarmut?

von Orhan Akman

ver.di-Fachbereich Handel Hamburg veröffentlicht auf ihrer Facebook-Seite ihre Forderung für die Tarifrunde 2026 wie folgt:
„Die Tarifkommission des Einzel- und Versandhandels, hat heute die
Forderungen beschlossen
– 7% und mindestens 225 € mehr Lohn und Gehalt
– 14,90 € pro Stunde als rentenfestes Mindesteinkommen
– 150,00 € für Auszubildende
– bei einer Laufzeit von 12 Monaten“
(Quelle: www.facebook.com/verdi.hamburg.handel)

Auch der Landesfachbereich Handel Bayern fordert in der anstehende
Tarifrunden Einzel- und Versandhandel eine „Erhöhung der unteren
Beschäftigtengruppen und Löhne auf ein rentenfestes Mindesteinkommen von
14,90 € in der Stunde.“ Die Tarifkommission in Baden-Württemberg fordert
hingegen 300,00 Euro mehr monatlich, also 75,00 Euro mehr als die Hamburger;
das sogenannte „rentenfeste Mindesteinkommen“ läge im Ländle somit
geringfügig höher. Was müsste aber eine Verkäuferin tatsächlich verdienen, um
einen Rentenpunkt zu erwerben?

In Hamburg aber auch in Bayern sieht der ver.di-Tarifvertrag eine 37,5
Stundenwoche vor. Das entspricht im Monat 163 Stunden, multipliziert mit 14,90
Euro ergibt das ein monatliches Bruttogehalt von 2.428,70 Euro. Auf das Jahr
gerechnet kommt ein Jahresgehalt von 29.144,40 Euro raus. Wenn man noch die
Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld dazurechnen würde, käme
man immer noch auf keine 32.000,00 Euro.

Die Politik, konkret die Bundesregierung und der Bundesrat, berechnen jährlich
das durchschnittliche Bruttoarbeitsentgelt aller Versicherten in Deutschland.
Demnach betrug im vergangenen Jahr das jährliche Durchschnittseinkommen
50.493,00 Euro. Damit Beschäftigte einen Rentenpunkt erhalten konnten, mussten
sie also 50.493,00 Euro jährlich verdienen. 2026 steigt das Durchschnittsentgelt für
die Berechnung voraussichtlich auf 51.944,00 Euro. Selbst bei 100prozentiger
Durchsetzung der Tarifforderungen wären Beschäftigte im Hamburger
Einzelhandel mit einem maximalen Jahresgehalt von unter 32.000,00 Euro in
Vollzeit meilenweit von einem ganzen Rentenpunkt entfernt. Bei vollständiger
Erfüllung der Tarifforderungen käme sogar eine gelernte Verkäuferin in der
Endstufe (die sog. Ecklohngruppe) auf keine 44.000,00 Euro Bruttojahresgehalt,
wohlbemerkt einschließlich Urlaubs- und Weihnachtsgeld im Jahr 2026. Es
fehlen mehr als 8.000,00 Euro bis zu einem Rentenpunkt.

Die folgende Tabelle zeigt die ganze Dramatik, auf wie viele Rentenpunkte die
Beschäftigten im Einzelhandel kommen:

Quelle: Rentenpunkte: Wie viel ein Rentenpunkt 2026 wert ist (mit Tabelle) | VZ

 

 

 

 

Die Hamburger Geheimformel „rentenfeste Mindesteinkommen“ bedeutet im
Kern, dass die Beschäftigten sich geschätzt mit 0,62 Rentenpunkten
zufriedengeben sollen. Wenn sie in Vollzeit arbeiten wohlbemerkt! Anstatt
Altersarmut zu bekämpfen, wird Armut mit Worthülsen umhüllt.
Rund 2/3 aller Beschäftigten im Einzelhandel arbeiten zudem in Teilzeit
und/oder als Minijobber*innen. Bereits dadurch ist die Altersarmut schon
vorprogrammiert.

Kann jemand der verantwortlichen Haupt- und Ehrenamtlichen den Mitgliedern
erklären, wie ver.di mit der Forderung von 14,90 Euro/Stunden die Altersarmut
begrenzen und gar verhindern will? Die meisten Beschäftigten im Einzelhandel
brauchen nur ihren Rentenbescheid zu lesen, um zu wissen, dass sie selbst mit
Tariflohn im Alter arm sein werden.

10 Cent/Euro unter der neoliberalen SPD!

Selbst die SPD, die seit Jahren in vielen Bereichen eine beschäftigtenfeindliche
Politik verfolgt und umsetzt, forderte im letztes Jahr 15,00 Euro/Stunde als
gesetzlichen Mindestlohn! ver.di fällt damit hinter die neoliberale SPD zurück!